Heilung eines Hornhautgeschwürs nach einer CCT-Operation bei Bumper
Dieser Patient „Bumper“ wurde an die Tierärztin Monique Willems aufgrund eines tiefen Hornhautulkus am linken Auge überwiesen. Zum Zeitpunkt der Vorstellung war durch den Haustierarzt noch keine Therapie eingeleitet worden. Klinisch zeigte sich ein lokal ausgeprägtes, tiefes Ulkus.
Die Ulkusränder waren aufgeweicht und wiesen ein lytisches Erscheinungsbild auf. In der zytologischen Untersuchung konnten Kokken nachgewiesen werden. Aufgrund des aktiven lytischen Prozesses wurde von einer sofortigen chirurgischen Intervention abgesehen. Stattdessen wurde eine intensive lokale Therapie mit Stromease und antibiotischen Augentropfen (6× täglich) eingeleitet.
Zusätzlich wurde Serum gewonnen (Blutentnahme und Zentrifugation), welches in den ersten 24 Stunden möglichst häufig lokal appliziert werden sollte, um den lytischen Prozess zu stoppen.
Bei der Kontrolle zeigte sich, dass der lytische Prozess zum Stillstand gekommen war. Über dem oberflächlichen Anteil des Ulkus setzte eine adäquate Granulationsgewebebildung ein, zentral bestand jedoch weiterhin eine erhebliche Tiefenausdehnung mit entsprechendem Perforationsrisiko. In Absprache mit den Besitzern wurde daher die Indikation zur chirurgischen Eingriff gestellt.
Es wurde eine korneokonjunktivale Transposition (CCT) durchgeführt. Hierbei wurde ein vitaler Hornhautlappen dorsal des Ulkus bis zum Limbus freipräpariert. Anschließend erfolgte die oberflächliche Präparation der Konjunktiva dorsal des Limbus. Die Verbindung beider Strukturen wurde auf Höhe des Limbus ausreichend tief durchtrennt, sodass ein korneo-limbo-konjunktivaler Lappen entstand, der in das Ulkusgebiet transponiert werden konnte.
Die Fixation des Lappens erfolgte an den Rändern des Ulkus sowie am Limbus mittels Einzelknopfnähten (Vicryl 8-0). Der verbleibende Anteil wurde fortlaufend, ebenfalls mit Vicryl 8-0, adaptiert. Zur zusätzlichen Protektion wurde die Membrana nictitans temporär über das Auge vernäht. Die lokale antibiotische Therapie wurde fortgeführt und durch topisches Atropin sowie systemische Analgesie ergänzt.
Eine Woche postoperativ erfolgte die Kontrolluntersuchung mit Entfernung der Nähte der Membrana nictitans. Es zeigte sich ein komplikationsloser Heilungsverlauf mit stabiler Lage des Transplantats.
Vier Wochen später ist der verlagert liegende Limbus am markierten Bereich deutlich erkennbar, wodurch man einen Eindruck davon bekommt, wie sich dieser, durch die Bildung des Lappens, verschoben hat. Es besteht lediglich eine geringgadige Reaktion im Bereich der resorbierbaren Nähte.
Bumper ist klinisch unauffällig, in gutem Allgemeinzustand und benötigt keine weitere medikamentöse Therapie mehr.
Sechs Wochen später zeigt sich folgender Befund: Die Hornhaut klärt sich zunehmend und erscheint bereits deutlich transparenter. Im Bereich des Pfeils ist noch eine granulomatöse Reaktion um das letzte, noch nicht vollständig resorbierte Nahtmaterial sichtbar.
Die Blutgefäße auf der dorsalen Seite werden sich im weiteren Verlauf weiter zurückbilden, sodass letztlich nur eine minimale Narbenbildung verbleibt.
Die korneokonjunktivale Transposition (CCT) stellt eine äußerst geeignete Methode zur Behandlung derart tiefer Hornhautulzera dar, selbst im Falle einer Perforation. Tierärztin Monique Willems führt diese Technik regelmäßig durch.
Diese Methode wird der konjunktivalen Flap-Technik klar vorgezogen, da das Hornhautgewebe eine höhere Stabilität aufweist und die Narbenbildung nach der Abheilung vergleichsweise gering ist.