Interview mit unserem zweiten Orthopäden Koen Voorboom
1. Du bist zu uns gekommen mit einer klaren Ambition in Richtung Orthopädie. Was hat dich damals daran so angesprochen? Hat sich dieses Gefühl verändert, jetzt wo du täglich damit arbeitest?
Die Orthopädie hat mich schon immer fasziniert. Ich finde es beeindruckend, wie das Skelett gemeinsam mit allen Muskeln, Sehnen und Gelenken funktioniert, um optimale Bewegungen zu ermöglichen. Deshalb ist es mir wichtig, diese Funktion so lange wie möglich zu erhalten, damit Tierbesitzer schöne, lange Spaziergänge mit ihrem Haustier genießen können. Ich bin sehr dankbar dafür, dass wir diese Funktion durch operative Eingriffe wiederherstellen können.
2. Du hast dich vor allem innerhalb der Praxis weiterentwickelt – mit intensiver Begleitung sowie vielen Beobachtungen und Handlungen. Kannst du uns mitnehmen auf deinem Entwicklungsweg, von den ersten Operationen bis zu dem Punkt, an dem du heute stehst?
Die ersten orthopädischen Operationen durfte ich hauptsächlich assistieren. Das Assistieren ist ein wichtiger Schritt, um die Eingriffe später selbstständig durchführen zu können. Jedes Tier, jede Erkrankung und jede Operation ist anders. Anschließend habe ich Kurse besucht, um die ersten Schritte in der orthopädischen Chirurgie zu machen. Diese Operationen habe ich danach gemeinsam mit Michel Willems in einer assistierenden Rolle durchgeführt. Danach habe ich die Eingriffe unter seiner Aufsicht selbst ausgeführt und schließlich vollständig eigenständig. Die spezialisierteren Operationen wie TPLO und Knochenbrüche sind wir auf dieselbe Weise angegangen. Dadurch ist es mir in diesem Jahr gelungen, die TPLO‑Operationen selbstständig durchzuführen.
3. Wie hast du die Begleitung durch deinen orthopädischen Kollegen und das Team erlebt, und was hat für dich dabei den Unterschied gemacht?
Ich habe im Orthopädie‑Team sehr viel Unterstützung und Rückhalt erhalten. Mein orthopädischer Kollege Michel Willems hat unglaublich viel Geduld gezeigt und viel Zeit in meine Ausbildung investiert. Das habe ich als äußerst wertvoll empfunden und es macht diese Praxis zu einer hervorragenden Lernumgebung. Auch die tiermedizinischen Fachangestellten, die das Orthopädie‑Team komplett machen, sind von unschätzbarem Wert. Sie ermöglichen uns, diese Arbeit überhaupt auszuführen, und das schätze ich sehr.
4. Der Moment, in dem du zum ersten Mal selbstständig Knieoperationen und Frakturen durchgeführt hast, ist ein großer Schritt. Was war für dich daran am spannendsten – und wie hast du das gemeistert?
Es ist immer aufregend, den ersten Schritt zu machen. Trotzdem fühlte es sich nicht wie ein „erster Schritt“ an, weil wir lange darauf hingearbeitet haben. Sobald die Operation beginnt, ist die Konzentration maximal und alles andere rückt in den Hintergrund. Man führt die Handlungen aus, die man zuvor oft unter Aufsicht durchführen durfte – so gut wie möglich.
5. Jetzt, wo du diese Entwicklung durchlaufen hast und selbstständig operiert: Was gibt dich in der Orthopädie die größte Zufriedenheit, und worauf freust du dich noch, weiter hineinzuwachsen?
Die größte Zufriedenheit empfinde ich erst dann, wenn der Besitzer und das Tier bei der letzten postoperativen Kontrolle fröhlich und beschwerdefrei hereinkommen. Dann kann ich wirklich zufrieden sein mit dem, was ich getan habe. Ein gelungenes Ergebnis ist es für mich erst, wenn es dem Tier tatsächlich besser geht. Es gibt noch viele orthopädische Eingriffe, die ich gerne lernen möchte. Herausforderungen gibt es genug – und ich freue mich darauf, sie anzugehen.